Einkehrtage der Klasse 10b
Klangschalenklänge läuten einen
hoffentlich besinnlichen Tag ein, die Schüler warten gespannt, auf das,
was sich Pater Augustinus für sie überlegt hatte. Eingeleitet von einer
Meditationsrunde à la Straub scheint der Tag zumindest besinnlich
anzufangen. Auch bei dem sogenannten Kissenspiel bemerkt man, wie
erschreckend schnell sich eine 10te Klasse zu Kinderspielen überzeugen
lässt und vor allem, welchen gewaltigen Spaß sie dabei hat. Nach einem
gelungenen Anfang, der Auftakt: jeder Schüler nimmt sich eine Karte mit
einem schönen Spruch darauf, nach Vortragen dieses Spruches nun Pater
Augustinus´ Fragen: ‚Welche Hobbys hast du?‘ ‚Was wünschst du dir für
den heutigen Tag?‘ Und letztendlich eine sehr unerwartete Frage: ‚Liebst
du dich selbst?‘ Den verwunderten Gesichtern nach zu urteilen, musste
diese Frage erklärt werden: Wie kann ich jemand anderen lieben, wenn ich
mit mir selbst nicht im Reinen bin, wenn ich nicht eine gewisse
Selbstschätzung und Vertrauen in mich selbst hätte. Denn Jesus meinte
schließlich, liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wie sollst du deinen
Nächsten denn lieben, wenn du dich selbst nicht liebst?, fragte uns
Pater Augustinus darum. Gerade die zehnte Jahrgangsstufe scheint eine
Altersstufe zu sein, in der man versucht, ein wenig über sich selbst zu
erfahren: Wie komme ich bei anderen an? Bin ich gut so wie ich bin? Man
versucht den Weg zu sich selbst zumindest ein klitzekleines bisschen zu
finden. Uns zu erklären, dass wir gut sind wie wir sind, dass wir so
geschätzt werden, wie wir sind, das haben sich an diesem Tag wohl Pater
Augustinus und unsere engagierten Religions-Lehrer zur Aufgabe gemacht.
Allerdings kam auch das gute alte „Stärken
der Klassengemeinschaft“ nicht zu kurz. Erst einmal Abchecken, wie es
denn überhaupt mit den Meinungen in der Klasse aussieht, war wohl die
Devise. Durchgeführt wurde diese Überlegung, indem wir uns immer wieder
zu ‚ja‘-, ‚nein‘- und ‚teils-teils‘-Schildern stellen konnten, um unser
Meinung klarzumachen und gegebenenfalls zu erklären. Unser, von manchen
Lehrern, als „unmotivierter Haufen“ diffamierter Klassenverband,
arbeitete erstaunlich engagiert mit und ich darf sicherlich im Namen
aller behaupten, dass es uns Spaß gemacht und gefallen hat, gefragt zu
werden. Hier die Ergebnisse, äußerst kurz umrissen: Es ist immer gut,
echte Freunde zu haben, aber wenn es viele sind, sei dies auch nicht
schlecht, merkte ein Schüler an. Freundschaft sei wichtiger als Geld,
war eine der Thesen. Äußerst genau wurden wir zu unseren Vorstellungen
von Liebe befragt, allerdings wurde ich gewarnt, einige Dinge besser
nicht zu erwähnen. Liebe auf den ersten Blick? Tja schon möglich, aber
darf eine Beziehung derart oberflächlich sein? Nicht lieber: Liebe nach
dem ersten Gespräch? Die Diskussionsthemen erstreckten sich außerdem
über Facebook, Drogen, Glaube (Papst Franziskus wird übrigens allgemein
sehr positiv wahrgenommen…); Themen, für die unsere Meinung als wichtig
genug erschien, sie zu hören. Manche Ansichten unserer Klassenkameraden
waren uns wohl selbst nicht bekannt. Das Ganze wurde ernst und ehrlich
behandelt und diese Ehrlichkeit machte diese Gespräche wertvoll. Was
denken Sie eigentlich: Fahren Frauen besser Auto als Männer? Anhand
meiner Notizen sieht man wohl, dass das Protokoll von Mädchen geführt
wurde, deshalb überlasse ich die Antwort ganz Ihnen.
Anschließend wurde ein Film gezeigt (was
grundsätzlich bei Schülern gut ankommt!), über Balance. Die Balance
zwischen Menschen, damit der Friede unter ihnen gewahrt bleibt. Der Film
verdeutlichte, dass dies kein leichtes Unterfangen ist. Umso wichtiger
ist ein guter Gemeinschaftssinn innerhalb der Klasse. Man sollte
schließlich im kleinen Rahmen anfangen.
Nach dem Besuch der Mittagshore, aßen wir
zu Mittag, was nach eigenen Angaben einiger Schüler, von vorne herein
einen wichtigen Tagespunkt darstellte. Nach einem weiteren Spiel – das
dem einen oder anderen beinahe einen Nervenzusammenbruch bescherte und
unsere Klassendynamik bekräftigen sollte- und einer weiteren
Essenspause, kam mein persönlicher Höhepunkt der Tages. Jeder schrieb
für jeden seiner Klassenkameraden (und die australischen
Austauschschüler) einen Zettel, was er an ihm gut fand. Die Idee, die
von vorne herein wunderschön war, gewann noch an positiver Ausstrahlung
durch die gute Laune und den netten Umgang mit den Mitschülern. Pater
Augustinus gab uns dazu noch ein paar nette Gedanken mit auf den Weg.
Vielleicht können wir uns selbst mehr lieben, wenn wir uns diese
Akzeptanz untereinander vor Augen führen, diesen Grundgedanken fand ich
bezaubernd und ich denke sehr positiv an die Aktion zurück.
Sollte ich das nächste Mal traurig sein,
werde ich diese Zettelchen wieder herauskramen – und das möchte ich
meinen Klassenkameraden ebenfalls raten.
In diesem Sinne darf ich mich bei allen Beteiligten herzlich bedanken und insbesondere natürlich bei Pater Augustinus.
-Lara Gum und Veronika Walhöfer, 10b
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